Flauschige Vogelküken – harter Überlebenskampf

Jungvögel fiepen und betteln lauthals während Vogeleltern nach Futter suchen, um die hungrigen Schnäbel zu stopfen. Es ist ein Kampf ums Überleben, den lang nicht alle Jungvögel gewinnen.

Der Erfolg der Jungenaufzucht hängt bei vielen Vögeln ganz entscheidendend von der Beteiligung beider Elternteile ab, wie z.B. bei den Störchen oder den Blässhühnern. Aber auch die Witterung und das Nahrungsangebot sind wichtige Faktoren, die über Leben und Tod der Küken mitentscheiden.

Futtermangel bei der Storchenfamilie
Auf dem Pfäffiker Storchenhost sind Anfang Mai vier Küken geschlüpft. Mit den hochsommerlichen Temperaturen Ende Mai wurde es für die Elternvögel immer schwieriger, genügend Nahrung zu finden. Zuweilen mussten beide Altvögel gleichzeitig den Horst verlassen und auf Futtersuche für ihre Nachkommen gehen. Regenwürmer, Frösche & Co. waren in den trockenen Flächen kaum mehr zu finden. Nahrungsmangel führt bei Storcheneltern bekannterweise dazu, dass sie ihre Nachkommen töten. So hat auch das Pfäffiker Storchenpaar das kleinste Storchenjunge aktiv aus dem Horst geworfen, um das Überleben der restlichen Jungstörche zu sichern.
Storchenfamilie
Auf dem Pfäffiker Storchenhorst werden nach dem Abwurf eines Kükens noch drei kräftige Jungvögel grossgezogen (Foto: Naturzentrum Pfäffikersee)
Glück im Unglück
Passanten konnten den Abwurf des Jungstorches beobachten und haben den Rangerdienst informiert. Gemeinsam mit der Tierrettung konnte dieser das noch lebende Küken bergen und der Greifvogelstation Berg am Irchel als Pflegling übergeben. Läuft alles gut, wird der Jungstorch Ende Sommer selbständig den Weg in die Freiheit und den Süden antreten.
Zurückhaltung bei Rettungsaktionen
Ähnliche Überlebensstrategien kennt man auch von anderen Vogelarten. Jeden Frühsommer sind Blässhuhn-Familien am Pfäffikersee zu beobachten, bei denen Elterntiere einzelne Küken verstossen und sie manchmal aktiv zu Tode hacken. Dies ist aus menschlicher Sicht sehr brutal mitanzusehen. Für Elternvögel macht es aber keinen Sinn, ein schwaches oder krankes Tier unter grossem Aufwand erfolglos durchzufüttern. Auch wenn es nachvollziehbar ist, dass wir Menschen in solchen Situationen eingreifen und Vogelküken retten wollen, ist davon abzuraten. Oft greifen wir Menschen auch zu schnell ein. Viele Jungvögel werden erst durch unser Einsammeln zu Pflegefällen. Insbesondere Vogelküken, die versehentlich aus dem Nest gefallen sind, werden weiterhin durch die Vogeleltern gefüttert. Ein Jungvogel hat die besten Überlebenschancen, wenn er von den Altvögeln umsorgt wird. Eine Aufzucht in menschlicher Obhut ist sehr schwierig und braucht eine Bewilligung.
Befiederte Jungmeise
Befiederte, aufgeweckte Jungvögel werden von den Vogeleltern umsorgt und sollen nicht in Pflegestationen gebracht werden (Foto: Pixabay).

Hilfe für Vögel in Not

Wer aber einen offensichtlich verletzten Vogel oder unbefiederte Nestlinge findet, soll sich direkt an eine Pflegestation in der Umgebung wenden. Kontakte und lokale Adressen sowie hilfreiche Informationen sind über die Homepage von BirdLife Schweiz oder das Notfall-Telefon der Vogelwarte Sempach erhältlich. Das Naturzentrum Pfäffikersee kann keine Vögel zur Pflege aufnehmen.

Blässhuhn-Nest mit Küken
Blässhuhn-Nest mit Küken (Foto: Pixabay)

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