Seltene Blütenpracht am Pfäffikersee

Leuchtend purpurn, zart rosa oder unauffällig grün blühen im Frühling die einheimischen Orchideen im Feuchtgebiet. Ihre Schönheit und ihr Duft verführen, täuschen ihre Bestäuber oder bringen uns Menschen zum Staunen.

Orchideen sind beliebte Zimmerpflanzen. Dass auch bei uns am Pfäffikersee einheimische Orchideen wachsen, ist vielen Fussgänger:innen nicht bekannt oder die schmucken, kleinblütigen Pflanzen am Wegrand werden übersehen. Schweizweit kommen fast 80 Arten vor, am Pfäffikersee blühen nicht weniger als 15 Orchideenarten.

Seltene Schönheiten

Grosses Zweiblatt
Das Grosse Zweiblatt blüht dezent in Grün (Foto: Naturzentrum Pfäffikersee)

Orchideen faszinieren durch ihre Schönheit und ihre Seltenheit. Die Intensivierung der Landwirtschaft mit grossem Düngereintrag, der rasante Siedlungsbau oder die Trockenlegung von Feuchtgebieten sind für das Verschwinden der Orchideen verantwortlich. Rund 90% ihrer Lebensräume sind in den vergangenen Jahrzehnten zerstört worden. Orchideen sind Spezialisten, die nur auf nährstoffarmen Böden wachsen und auf eine Symbiose mit Bodenpilzen (Mykorrhiza) angewiesen sind. Die Pilze helfen den Orchideen an Wasser und Nährstoffe im Boden zu gelangen. Im Gegenzug profitieren die Pilze von Zucker, den Orchideen über die Photosynthese herstellen. Am Pfäffikersee funktioniert diese Zusammenarbeit noch. Als eine der ersten Orchideen blüht das Kleine Knabenkraut ab April. Bald darauf folgen das Helm-Knabenkraut oder verschiedene Fingerwurz-Arten. Nebst den auffällig purpurn-, rosa- oder lilafarbenen Blüten finden sich aber auch sehr unauffällige Orchideen wie das Grosse Zweiblatt. Es blüht sehr zahlreich in den Feuchtwiesen direkt an den Wegrändern aber durch seine komplette Grünfärbung fällt es kaum auf.

Nektar-Täuschblumen

Verschiedene Orchideenarten wie das Kleine Knabenkraut tricksen ihre Bestäuber aus. Sie locken mit Farbe, Blütenform und Duft Bestäuber an – doch Nektar gibt es keinen. Die Insekten bestäuben die Blüten bei ihrem Besuch, gehen auf ihrer Nektarsuche aber leer aus. Die Orchideen können durch dieses Täuschmanöver Energie sparen, indem sie auf die Produktion von Nektar verzichten. Allerdings funktioniert diese Strategie nur früh im Jahr solange die Bestäuber noch unerfahren sind. Die Insekten lernen nämlich schnell und lassen sich bald nicht mehr täuschen.

Helm-Knabenkraut
Das Helm-Knabenkraut blüht im Mai/Juni zu Hunderten im Süden vom Pfäffikersee (Foto: Naturzentrum Pfäffikersee)

Orchideen sind geschützt

Fingerwurz / Fingerkraut
Fingerwurz-Arten bilden auffällig grosse Blütenstände (Foto: Naturzentrum Pfäffikersee)

Alle einheimischen Orchideenarten sind aufgrund ihrer Seltenheit durch die Verordnung über den Natur- und Heimatschutz geschützt und dürfen auch ausserhalb von Schutzgebieten nicht gepflückt werden. Da die Moore am Pfäffikersee unter Schutz stehen, gilt im ganzen Naturschutzgebiet zudem ein generelles Pflückverbot von Pflanzen aller Art. Orchideen sind auch begehrte Fotosujets. Im Schutzgebiet gilt ein Wegegebot. Die seltene Blütenpracht kann und soll von den öffentlichen Wegen aus betrachtet und bestaunt werden.

Kleines Knabenkraut
Das Kleine Knabenkraut ist eine Nektar-Täuschblume (Foto:: Naturzentrum Pfäffikersee)

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