Erste Frühblüher wie Schlüsselblumen und Sumpfdotterblumen setzen in der Moorlandschaft Pfäffikersee gelbe Akzente, während die Traubenkirschen über ihre weissen Blüten einen betörend süssen Nektarduft verströmen, um Bestäuberinsekten anzulocken. Einige Frühblüher im Schutzgebiet haben aber noch deutlich trickreichere Bestäubungsstrategien.
Nektar-Täuschblumen

Das Kleine Knabenkraut ist die erste Orchideenart, die in den Riedwiesen am Pfäffikersee bereits blüht. Der attraktive purpurfarbene Blütenstand lockt mit süssem Duft Bestäuber an. Die Insekten landen auf der Lippe der Blüte und suchen nach dem süssen Nektar – vergebens. Das realisieren sie bald, doch während ihrer kurzen Suchaktion bleiben die zwei Pollenpakete der Orchideenblüte am Kopf der Insekten kleben und werden beim Besuch einer weiteren Pflanze zur Bestäubung führen. Das Ziel der Orchidee ist damit erreicht. Die Insekten gehen bei ihrer Nektarsuche hingegen leer aus und ihre Bestäubungsdienste bleiben unbelohnt. Indem das Kleine Knabenkraut auf die Produktion von Nektar verzichtet und nur süss duftet, kann die Pflanze viel Energie sparen. Allerdings funktioniert dieses Täuschmanöver nur früh im Jahr solange die Bestäuber noch unerfahren sind. Denn Insekten lernen schnell und fliegen die Täuschblumen bald nicht mehr an.
Heizung und raffinierte Insektenfalle

Der Gemeine Aronstab blüht jetzt zahlreich am Wegrand aber nicht in den Moorflächen, sondern entlang von Gehölzen. Auch er ist eine Täuschblume. Seine Blüte besteht aus einer tütenartig eingerollten Struktur, die einen braunvioletten Kolben umgibt. Dieser kann aktiv Wärme erzeugen – eine seltene Gabe unter einheimischen Pflanzen. Die Blütentemperatur kann 5-10 Grad über die Umgebungstemperatur ansteigen. Mit Wärme und einem Aasgeruch lockt die Blüte insbesondere kleine Fliegen an. Diese krabbeln in die Blütenstruktur. Ein nach unten gerichteter Haarkranz hindert die Fliegen daran, die Blüte wieder zu verlassen. Auf dem Blütenboden, wo sich die weiblichen Blütenorgane befinden, bleiben sie gefangen. Während der Nacht reift der männliche Pollen heran und der Haarkranz erschlafft. Dies ermöglicht den Fliegen anderntags die Flucht. Beim Verlassen der Blüte werden sie mit Pollen bepudert. Lassen die Fliegen sich erneut täuschen, tragen sie die Pollenkörner in die nächste Blüte und bestäuben diese während ihrer erneuten, nächtlichen Gefangenschaft.
Das Naturzentrum Pfäffikersee informiert in der Ausstellung sowie auf öffentlichen und privaten Führungen auf Anfrage über die faszinierende Natur der grössten Moorlandschaft des Kantons Zürich. Die Ausstellung ist kostenlos und ganzjährig geöffnet: Mittwoch 13:00-17:00 Uhr; Wochenende und Feiertage 10:00-17:00 Uhr.
Das jährliche Frühlingsfest findet am Sonntag, 3. Mai 2026, statt. Zu Gast ist das Projekt «Sounding Soil», das Bodentiere hörbar macht.





