Nebelschwaden und Herbststimmung liegen in der Luft. Aber Motorenlärm mag die Idylle trüben. Die Riedwiesen rund um den Pfäffikersee werden gemäht. Diese Pflegearbeiten sind sehr wichtig für den Erhalt der Artenvielfalt und überlebenswichtig für Lebenskünstler wie der Kleine Moorbläuling.
Die Feuchtgebiete am Pfäffikersee sind geschütztes Kulturland und keine Wildnis. Ohne Pflege würden die Riedwiesen in kurzer Zeit durch Gehölze zuwachsen und sich über die Jahre zu einem Wald entwickeln. Die Flachmoore rund um den Pfäffikersee sind von nationaler Bedeutung und beherbergen seltene Pflanzen- und Tierarten. Diese Artenvielfalt zu erhalten ist ein wichtiges Ziel der jährlichen Pflegearbeiten der Landwirte im Schutzgebiet. Nur durch die Mahd haben im nächsten Frühling lichtbedürftige Pflanzen, wie seltene Orchideen, die Sibirische Schwertlilie oder der Lungenenzian ideale Bedingungen, um wieder aufzublühen. Traditionell wird das Schnittgut auch heute noch von vielen Landwirten als Einstreu in den Ställen verwendet.
Ganz entscheidend hängt das Leben des Kleinen Moorbläulings am Pfäffikersee von der Bewirtschaftung der Riedwiesen ab. Die Weibchen der stark gefährdeten Schmetterlingsart legen ihre Eier im Hochsommer ausschliesslich auf den Lungenenzian ab – eine seltene, spätblühende Feuchtgebietspflanze. Die Schmetterlingsraupen fressen sich dann in die Blütenknospe, von der sie sich während zwei bis drei Wochen ernähren. Anfang Herbst fängt ihr Abenteuer aber erst richtig an. Mit einem Körperduft getarnt, der nach Ameisenlarve riecht, lassen sie sich zu Boden fallen. Dort warten sie bis sie von Knotenameisen gefunden werden. Die Ameisen lassen sich täuschen, tragen die Schmetterlingsraupen ins Nest und füttern sie wie ihre eigene Brut. Durch das Aneinanderreiben von Körperteilen imitieren die Schmetterlingsraupen und später auch die -puppen im Ameisennest sogar akustische Signale einer Ameisenkönigin. So erschleichen sie sich den höchsten sozialen Status im Staat und werden bevorzugt behandelt. Die ganze Täuschung fliegt erst auf, wenn die Schmetterlinge im nächsten Frühsommer schlüpfen. Sie müssen das Nest sofort verlassen und sich in Sicherheit bringen.
Rund die Hälfte der Schweizer Population des Kleinen Moorbläulings kommt im Kanton Zürich vor. Die Verantwortung zur Förderung dieser seltenen Art ist somit besonders hoch. Entsprechend gelten für diese Art auch bestimmte Pflegemassnahmen, die in einem Pflegeplan vorgegeben sind. Flächen, auf denen Lungenenzian wächst, sind potenzieller Lebensraum für den Kleinen Moorbläuling. Sie dürfen beispielsweise erst ab Mitte Oktober gemäht werden. Nur so findet ein Grossteil der Schmetterlingsraupen rechtzeitig vor der Mahd den Weg von der Blüte in ein Ameisennest, wo sie die Entwicklung zum Falter dank der Hilfe der Ameisen vollenden können.





